#Plastikfasten: Ein Selbstversuch

Ein durschnittliches Lebensmittelfach

Auf unseren Reisen habe ich immer wieder gesehen, wie verschmutzt die Straßen und Meere sind. Plastik hier, Plastik da. Es sieht unschön aus, wird nur schlecht abgebaut und wenn, dann zersetzt es sich zu Mikroplastik und landet in unserem Trinkwasser oder den Meeren. Das Mikroplastik gelangt dann in unseren Blutkreislauf und könnte dort zu Gesundheitsschädigungen führen (s. auch hier).

Deswegen wollen wir nun auch unseren Beitrag leisten. Seit Aschermittwoch, dem 26.02. fasten wir deshalb Plastik. In diese Beitrag dokumentiere ich, wie ich mit der Plastikvermeidung hinkomme.


Das geht so: im Haushalt vorhandene und in Plastik eingepackte Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs dürfen noch verbraucht werden. Neue Konsumartikel, die in Plastik eingepackt sind, dürfen nur nachgekauft werden, wenn sie nach der Verwendung mindestens einmal wiederverwendet werden. Davon ausgenommen sind Mehrwegflaschen. Wenn wir auswärts im Restaurant oder Bistro essen, ist das Plastikfasten ausgenommen, da wir nicht kontrollieren können, wie die Lebensmittel gelagert werden. Gleiches gilt bei Einladungen zu Freunden, da wir ihnen nicht unsere Lebensweise vorschreiben wollen.


Mittwoch, 26.02.2020: es geht gut los! Noch ist unser Lebensmittelfach sehr gut gefüllt und gibt einiges zu essen her. Ich bin aber derzeit sowieso im Arbeitseinsatz bei Freunden, ich muss also nicht selbst kochen. Puh, nochmal drumherum gekommen!

Donnerstag, 27.02.2020: Auch heute bin ich noch den ganzen Tag unterwegs. Unterwegs lege ich in einem Kaffee einen Stop ein und gönne mir ein heißes Getränk vor Ort- da mir bisher der To Go-Becher fehlt (ich hatte einen aus Bambus, aber die sollen ja bei Heißgetränken nicht geeignet sein).

Freitag, 28.02.2020: Noch ist das Lebensmittelfach weiterhin gefüllt. Heute ist auch Putztag. Ich bin froh, dass das Staubtuch in einer Papierverpackung kommt und ich den Badreiniger als Nachfüllpack gekauft hatte. Sollte er alle werden, werde ich auf eine Mischung aus Essig und Zitronensäure zugreifen. Rezepte gibts hier.

Samstag, 29.02.2020: Ich fahre meine Familie besuchen. Meine Mutter möchte mir etwas zu essen kochen, ich wünsche mir insgeheim, dass sie plastikfreie Dinge kauft- da ich auch überwiegend vegetarisch esse, ist der Verhandlungsspielraum in der 30.000 Einwohner Kreisstadt recht gering.

Sonntag, 01.03.2020: Ich bin wieder zuhause, doch erste Fragen tauchen auf, was wir am Abend essen. Zum Glück hatte ich diese Woche schon auf dem Wochenmarkt ein wenig Gemüse gekauft und im Supermarkt eine Tiefkühlpackung Mischgemüse. In der TK-Abteilung war lediglich ein Produkt in Papier verpackt. (Die mögliche gesundheitsschädigende Wirkung der Bedruckung lasse ich mal außen vor, vgl. auch DLF Kultur- Beitrag vom 13.12.2010)

Montag, 02.03.2020: Verzicht auf Plastik heißt auch Konsumverzicht, da extrem viele Dinge nur noch in Plastikverpackungen verkauft werden. Ich gehe zum Supermarkt, um mir etwas Süßes zu gönnen und komme unverrichteter Dinge wieder. Auch wenn außenrum eine Papierverpackung ist (die vermeintliche Beschichtung aus Plastik berücksichtige ich hier der Einfachheit mal nicht), sind viele Kekse oder anderes innen in Plastik eingeschlossen. Fazit: Plastikfasten heißt also auch Zuckerfasten, da Fertigprodukte eingeschränkt und Grundnahrungsmittel selbst zusammengemixt werden müssen.

Nagut, dann werdens heute doch nur Bananen. Ist eh gesünder.

Dienstag, 03.03.2020: Nun wird unser Versuch auch durch die Corona-Hysterie torpediert. In manchen Supermärkten haben Prepper Grundnahrungsmittel aufgekauft, unsere Brotbackmischung ist weg. Wir müssen nun auf deutlich teurere Produkte zurückgreifen.

Mittwoch, 04.03.2020: Heute hatte ich alle Hände voll zu tun, daher keine Versuchung, neues Plaste in die Wohnung zu tragen. Fröhlich stimmte mich die Nachricht meines Partners, der mir von einem Workshop mit Jugendlichen in der Kleinstadt Weißenfels erzählte. Bei der Frage, was sie sich im Ort wünschen würden, antworteten die Schülerinnen, einen Unverpackt-/Bioladen in Weißenfels! Wenn die nächste Generation in der anhaltinischen Provinz so progessiv denkt, gibt es noch Hoffnung!

Donnerstag, 05.03.2020: Schon seit längerer Zeit hatten wir geplant, unsere nach rund 15 Jahren schon sehr laweden Esstisch-Stühle zu ersetzen. Aufgrund dienstlicher Termine hatten wir ein Carsharing-Auto zur Verfügung, so dass sich ein Stopp bei IKEA anbot. Leider sind die Stühle – produziert in China – nicht nur in Pappe sondern auch Unmengen an Plastik eingepackt. Wir kamen um die Sünde nicht herum! Das Foto zeigt den Verpackungsmüll von einem einzigen Stuhl!

Der Müll der Verpackung eines einzigen Stuhls….

Freitag, 06.03.2020: Plastikfrei oder -arm zu leben ist heute ein Luxus! Besonders wenn ich abends, nach getaner Arbeit noch schnell was einkaufen will. Da unsere Vorräte langsam zur Neige gehen, haben wir uns daher entschlossen, morgen zum Unverpacktladen zu fahren.

So langsam ist bei uns Ebbe im Kühlschrank!

07.03.2020: Heute sind wir mit dem Carsharing-Auto in die Südvorstadt zum Unverpacktladen gefahren. Die große Auswahl an Lebensmitteln, aber auch Hygieneartikeln hat mich sehr überrascht! Die meisten Grundnahrungsmittel von Müsli, über Reis, aber auch Reinigungsmittel (Klarspüler, Waschmittel, Seifen) und Köperpflegeprodukte gibt es hier.

Einfach wunderbar! Im Baumarkt, in dem wir danach waren, fiel mir erstmal auf, was dort alles aus Plastik angeboten wird.

08.03.2020: Heute feiern wir den internationalen Frauentag und haben daher keine Zeit für den Konsum oder Nicht-Konsum 🙂

09.03.2020: Frisch aufgefüllt starten wir in die Woche, doch leider nicht so frisch. Seitdem auch in Leipzig ein Mensch an Covid-19 erkrankt ist, geht gleichzeitig das Hamster-Virus um.

Toilettenpapier-Krise im örtlichen Drogerie-Discounter

10.03.2020: Das Plastikfasten zwingt mich dazu, meinen Lebensstil bis in Kleinste zu überdenken. Plastikfasten schont auch deshalb die Umwelt und meinen Geldbeutel, weil ich meine Online-Bestellungen reduzieren muss. Denn Versandverpackungen sind häufig überdimensioniert und dann mit Füllmaterial auf Plastik ausgelegt.

Plastikverzicht heißt auch Verzicht auf Online-Bestellungen

11.03.2020: Heute probiere ich mich an dem südamerikanischen Gericht “Cevice”. Es fehlen noch die Limetten. Das andere Gemüse und den Fisch konnte ich gestern bereits auf dem Wochenmarkt erstehen. Leider werde ich trotz der vielen Geschäfte hier auf der Straße nicht fündig. D.h. um exakt zu sein, werde ich vor die Wahl gestellt: die losen, gespritzen Limetten aus dem Konsum oder die ein Plastik eingepackten Bio-Limetten aus dem Aldi? Was würdet ihr wählen?

Da vergeht einem die Lust am Bio-Obst und Gemüse.

Meinen persönlichen Kampf gegen die Plastikverpackungen von Bio-Gemüse und Obst mit dem Lidl führe ich schon einige Zeit. In einer Mail an die Feedbackadresse schrieb ich dem Lidl-Management bereits 2019, und bat sie, doch über eine Reduktion der Verpackung bei Bio-Lebensmitteln nachzudenken. Sie würden an einer Lösung arbeiten, war sinngemäß die Antwort. Doch das ist schon mindestens ein Jahr her und ich sehe nur geringe Veränderungen. Ich kann verstehen, dass der Verkäufer sicherstellen will, dass alles korrekt bepreist ist. Bio-Lebensmittel werden meist teurer verkauft und werden sie nicht eingepackt, könnten die verwechselt werden. Aber da muss es doch andere Lösungen geben! Wie wäre es mit einem RFID Chip? Oder in Papier eingepackte waren? Auch könnte man über die Verwendung von Flüssigholz-Verpackungen nachdenken oder Verpackungen, die aus anderen Faserstoffen bestehen. Lieber, Lidl, gern denke ich für euch mit!

13.03.2020: Seit heute ist klar. Da rollt etwas auf uns zu! Wegen eines kleinen Virus’ hält die Welt den Atem an, in unserer Histrio-Gesellschaft gehen die ersten großeren Hamsterkäufe los. Ob wir das Plastikfasten noch durchhalten? Wir bleiben dran!

14.03.2020: Soweit, sogut. Unser Einkaufsziel, auch wenn es mit einem etwas größerem Weg und somit etwas unbequem ist, ist das Unverpacktladen in der Südvorstadt geworden. Vielleicht wird es unser neues Wochenritual, dort einkaufen zu gehen?

17.03.2020: Corona greift weiter um sich. Da die Sparpolitik in Sachen Gesundheit in den letzten Jahren immer mehr in Richtung Rendite verschoben wurde, versucht die Politik die Strategie, die Menschen stärker zu isolieren, um die Ausbreitung zu verhindern. Dazu werden zahlreiche Geschäfte geschlossen. Für uns im Plastikfasten bedeutet dies, das wir nun noch genauer schauen müssen, dass wir einfach und bezahlbar an Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs ohne Plastik kommen. Zu meinem erstauen war im Unverpacktladen in der letzten Woche noch alles wichtige vorrätig, sodass hier fast unproblematisch bei Bedarf nachgekauft werden kann.

Ostern 2020: Am Ende stand das Plastikfasten ganz im Zeichen der Corona-Krise. Trotzdem haben wir weitgehend durchgehalten. Bei den Nahrungsmitteln haben wir unseren Plastikverbrauch bis auf ganz wenige Ausnahmen (beim Einkauf zu spät gemerkt, dass die Verpackung ja aus Plastik ist) auf nahezu Null reduziert. Der Unverpacktladen hat sich sicherlich über unsere inzwischen regelmäßigen Besuche gefreut! Andere Produkte wie beispielsweise Blumenerde gibt es leider nur im Plastiksack – oder mit in Corona-Zeiten dann doch zu viel Aufwand.

Fazit: Plastikfasten ist möglich, kostet am Ende auch nicht extra, da sich die Mehrkosten der Einkäufe im Bio- oder Unverpacktladen durch weggefallene Ausgaben aufheben – also den Verzicht auf Süßwaren und “Convenience food”. Mensch lebt gesünder und kauft nur ein, was tatsächlich gebraucht wird. Einkäufe müssen jedoch besser geplant werden und brauchen mehr Zeit, wenn ein Unverpacktladen nicht gleich um die Ecke ist.

Ausblick: Vielleicht nicht mehr so konsequent wie in der Fastenzeit, dennoch möchten wir Plastik insbesondere bei Nahrungsmitteln auch zukünftig so weit möglich vermeiden.